Geschichte

Erste fastnächtliche Aktivitäten

Die Dingeli - Spättle - Zunft e.V. wurde 1965 gegründet. Von den Gründungsmitgliedern ist unser damaliger 1.Vorstand (Spättlemeister) Bernd Kiefer hervorzuheben. Als echter Ortenberger machte er sich damals Gedanken über eine Ortenberger Narrenfigur. Da man seit eh und je die Ortenberger als "Dingeli" bezeichnete, war der Name Dingeli-Spättle naheliegend.
Doch woher kommt der Name?
Die einen meinen, es kommt vom Standesdünkel, was mit dem Ortenberger Schloß und den jeweiligen Schloßherren zusammenhängen würde. Die anderen sagen, es kommt vom Dingeln - hineintunken. Die Ortenberger müssen alles dingeln, den Kuchen in den Kaffee, das Brot in die Suppe, es wird einfach alles gedingelt. Wie es auch sei, Bernd Kiefer hat sich an das Dingeln gehalten.

Narrenfiguren

Zum Häs, das ganz aus roten und grünen Filzstreifen hergestellt wird, gehören ein rotes Halstuch, rote oder grüne Socken sowie Strohschuhe. In der Hand hat der Dingeli eine Rätsche. Fertig angezogen ist er allerdings nur mit Handschuhen.
Die Maske hat zwei wesentliche Merkmale: Eine hohe Denkerstirn und die linke stark geschwollene Backe. Die Denkerstirn soll zum Ausdruck bringen, dass man dem doch recht freundlichen „Dingeli“ fast nichts recht machen kann. Die geschwollene Backe wird von einem noch nicht verschluckten "Brotmoggel" verursacht.
Außer den Hästrägern hat die Dingeli - Spättle - Zunft zwei Einzelfiguren. Ziemlich naturgetreu in ein Ziegenfell gekleidet, wird ein Geißbock verkörpert. Vor langer, langer Zeit von einem Nachtwächter erfunden und „Sinnitier“ benannt.
Der Nachtwächter selbst ist die einzige Figur in der Zunft, die ohne Maske am närrischen Treiben teilnimmt. Dieses Paar, der Nachtwächter und das Sinnitier, wurde aufgrund einer geschichtlichen Überlieferung geschaffen, die aus einer Zeit stammt, als der Nachtwächter noch auf Feuer und Licht zu achten hatte (siehe dazu: Besonderheiten).

Typische Ortsbräuche

Das Dingeln: Um nun das "Dingeln" auch darzustellen, hatte unser Gründer und Spättlemeister die Idee einen Teller und einen Druellappenorden zu kreieren. Zum Suppe essen braucht man einen Teller und damit man sich nicht verkleckert einen Latz. Der Teller ist aus Holz gedrechselt. Auf dem Rand ist der Name der Zunft, die Jahreszahl und auf dem Tellerboden ist das Spättlegesicht gemalt. Der Druellappe hat die Form eines Latzes. Das Spättlegesicht, sowie die Jahreszahl und der Verleihungsort sind handgestickt.
Verliehen werden beide Orden am Fasentmendig beim traditionellen "Dingeli-Esse". Hier wird auch das Dingeln wörtlich genommen. Dem Kandidat wird der Kopf mehrmals in einen Kübel mit Wasser gesteckt, egal ob weiblich oder männlich, besonders zimperlich geht's dabei auch nicht zu.

Heischebräuche / Schnurrfasent

Der Schmutzige Donnerstag beginnt morgens ab 6.30 Uhr mit dem Wecken des Dorfes und dem Fahnen hissen am Rathaus.
Danach gibt es ein ordentliches Narrenfrühstück. Bevor es zum Gitzig rufen in die örtlichen Geschäfte geht, wird der Nörgler aufgestellt. Zusammen mit den befreiten Schulkindern zieht man zum Dorfplatz, wo der Narrenbaum gestellt und das Rathaus gestürmt wird.
Eine alte Ortenberger Tradition ist am Schmutzigen Donnerstag abends die Wirtschaftsfasent in den ansässigen Lokalen. Viele maskierte und musizierende Gruppen sind im Ort zum Schnurren und Schnaigen unterwegs.

Besonderheiten / Wissenswertes / G'schichtli

Historie des Nachtwächters und Geißbocks (Sinnitier): In den meisten Ortenberger Häusern wurde, bedingt durch den großen Obstanbau, sehr viel Schnaps gebrannt. Um sich bei seinen nächtlichen Runden gegen Kälte zu schützen, behalf sich der arme Nachtwächter eben mit Schnaps. Aufgrund dessen landete er allerdings öfters im Bach, als ihm lieb war. Seiner Frau, die er sehr fürchtete, erzählte er dann, er sei des Nachts im Freudental bei der Sinnimatt von einem gehörnten Tier mit Bart in den Bach gestoßen worden. Ob es nun seine Sinne waren, die ihm einen Streich gespielt haben oder nicht, bleibt dahingestellt. Tatsache ist jedoch, dass der volltrunkene Nachtwächter von dem ausgebrochenen, dörflichen Geißbock einige Male belästigt wurde. Der Nachtwächter konnte das Tier in seinem Zustand nicht mehr erkennen, sodass es für ihn ein Geist blieb.